Wundermittel Retinol?
 Was es ist und wie es wirkt

Was ist Retinol eigentlich?

Retinol ist, vereinfacht gesagt, eine Form des Vitamin A. 
Dieses Vitamin spielt für Deine Haut eine wichtige Rolle dabei, neue gesunde Hautzellen zu bilden und damit Dein Hautbild zu verbessern. Es regt die Kollagenproduktion in den tieferen Hautschichten an und sorgt dafür, dass Dir morgens im Bad weniger Fältchen entgegen lächeln. 
Für gewöhnlich erneuert sich die oberste Schicht Deiner Haut, die Epidermis, alle 28 Tage. In dieser Zeit produzieren die unteren Hautschichten neue, gesunde Zellen nach, die die abgestorbenen Hautschüppchen ersetzen. Dieser Zyklus, der sich im Laufe des Lebens leider verlangsamt, kann sich durch die Wirkung von Retinol spürbar verkürzen.

Retin… was? Retinoid, Retinol, Retinal und Retinsäure

Damit Du Dich auch ohne Chemiestudium bei all den Retinol-Bezeichnungen zurechtfindest, gibt’s hier eine kleine Übersicht von uns:

 

Retinoid

Retinoid ist ein Sammelbegriff für Vitamin A-Formen, die – in unterschiedlicher Konzentration und Wirkungsintensität – in Hautpflegeprodukten vorkommen.
 In den Inhaltsstoffen kannst Du sie an folgenden Bezeichnungen erkennen: Retinyl Palmitate, Retinol und Retinal. 
All diese Retinoide werden von Deiner Haut in bis zu drei Schritten zu Retinsäure umgewandelt. 
Das ist die aktive Vitamin A-Säure, die Dein Körper benötigt, um die Regeneration Deiner Haut zu unterstützen. Deine Haut wandelt die Retinoide durch chemische Reaktionen in Retinsäure um. 
Je mehr Schritte sie dafür benötigt, desto milder ist das Retinoid zu Deiner Haut, 
desto schwächer allerdings auch seine Wirkung.

 

Retinol-Ester

Retinol-Ester sind die Vorstufe zu Retinol. Du erkennst sie an folgenden Namen: Retinyl Propionate, Retinyl Palmitate, Retinyl Acetate und Retinyl Linoleate. 
All diese verschiedenen Arten von Retinol-Estern, die Du in den Inhaltsstoffen eines Produkts finden kannst, benötigen drei Schritte, bis sie zur aktiven Retinsäure umgewandelt sind und sind daher die sanfteste Form des Retinols. Das bedeutet, sie wirken weniger effektiv, sind aber gleichzeitig auch schonender zu Deiner Haut.

 

Retinol

Retinol wird in zwei Schritten über Retinal (eigentlich Retinaldehyd) zu Retinsäure oxidiert. Da es einen Schritt weniger benötigt, ist es in seiner Wirkung effektiver als die Retinol-Ester, kann daher aber auch häufiger zu Hautirritationen führen. Gerade am Anfang solltest Du Dich langsam an den Wirkstoff herantasten.

 

Retinal

Retinal, auch Retinaldehyd genannt, wird in nur einem Schritt zu Retinsäure umgewandelt. Retinal ist ein relativ neuer Wirkstoff in Hautpflegeprodukten und aktuelle Studien bestätigen, dass schon 0,05% Retinal Fältchen ähnlich effektiv mindert wie 0,05% Retinsäure.¹

 

Retinsäure

Nur mittels der aktiven Retinsäure, auch als Vitamin A-Säure oder Tretinoin bekannt, kann Deine Haut eine Verbesserung des Hautbilds erreichen. Durch die stufenweise Umwandlung, die Deine Haut vornimmt, steht die aktive Retinsäure am Ende jeder Benutzung von Retinoiden. 
Je mehr Schritte zur Umwandlung Deine Haut benötigt, desto milder ist letztlich die Wirkung der entstehenden Retinsäure. Da sie in ihrer reinen Form angewendet nicht nur sehr effektiv, sondern auch extrem reizend ist, wird sie ausschließlich verschreibungspflichtigen Produkten zugesetzt. Diese werden bspw. auf Rezept zur Behandlung von schweren Formen der Akne ausgestellt.

 Retinoide erklärt

Wie wirkt Retinol?

Retinol regt den Stoffwechsel der Hautzellen an und beschleunigt die Erneuerung der Hornzellen Deiner obersten Hautschicht. Dadurch verfeinert sich das Hautbild, Dein Teint wirkt ebenmäßiger und auch Pigmentflecken können durch die Zellerneuerung sichtbar aufgehellt werden.² In den tieferen Hautschichten der Unterhaut unterstützt Retinol aber auch die Bildung von Kollagen, was der Haut ihre Spannkraft, Elastizität und Jugendlichkeit verleiht. Mehr noch; es verhindert sogar den Abbau von Kollagen und erhöht die Kapazität der oberen Hautschicht, Feuchtigkeit zu binden. Dadurch kann sich die Sichtbarkeit von Fältchen deutlich vermindern und die Haut bekommt mehr Spannkraft. Zudem wirkt Retinol zusätzlich als Antioxidans, das freie Radikale einfängt und so verhindert, dass Deine Haut durch sie Schaden nimmt und frühzeitig altert. 
Eine erste Wirkung kann je nach Konzentration und Toleranz Deiner Haut bereits nach vier Wochen spürbar sein, allerdings braucht Hautpflege Geduld und Zeit. Eine Wirkung kann auch erst nach einigen Monaten eintreten.³

 

Anwendung

Retinol findest Du in Cremes zugesetzt oder als Serum. Seren sind meist höher konzentriert und werden pur verwendet, sie können aber auch Pflegeölen und Cremes beigemischt werden. 
Da Retinol selbst als Wirkstoff sehr lichtempfindlich ist und Du Deine Haut nach dem Auftragen ebenfalls nicht unmittelbar dem Sonnenlicht aussetzen solltest, empfiehlt sich die Anwendung am Abend. 
Retinol kann je nach Hauttyp und vor allem Hautzustand reizend wirken und zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Gerade zu Beginn der Anwendung kann dies trockene Hautstellen, Entzündungen und Rötungen hervorrufen. Besonders die zarte Haut um die Augen sollte ausgespart oder nur vorsichtig und mit milden Retinoiden wie bspw. den Retinol-Estern behandelt werden.
 Wir haben unserer Night Cream 0,05% Retinol zugesetzt, damit sich Deine Haut in der Nacht bestmöglich regenerieren kann. Selbst bei dieser vergleichsweise geringen Konzentration an Retinol kann Deine Haut anfangs Irritationen aufweisen. Wir raten Dir in diesem Fall zwischen den Anwendungen zwei Nächte zu pausieren oder unsere Night Cream mit einer anderen Feuchtigkeitspflege oder einem unserer Öle zu mischen, bis Deine Haut sich an das Retinol gewöhnt hat. Bei der Verwendung retinolhaltiger Hautpflegeprodukte solltest Du Deiner Haut immer etwas Zeit geben, sich an den Wirkstoff zu gewöhnen. Je nachdem wie empfindliche Deine Haut von Natur aus veranlagt ist und wie sensibel sie auf das Retinol reagiert, kann es sogar ratsam sein, erst einmal nur mit ein bis zwei Anwendungen wöchentlich zu beginnen und dann langsam zu steigern.


Hier haben wir eine kleine Anleitung zusammengestellt, wie Du ganz einfach neue Wirkstoffe in Deine Routine einbinden kannst. Falls es durch das Retinol bei Dir zu einer sogenannten Erstverschlimmerung kommen sollte, kannst Du hier nachlesen, was Du in diesem Falle tun kannst.

 

Kann Retinol auch schaden?

Retinol ist ein äußerst gut erforschter Wirkstoff. In der EU darf Retinol bis zu einer Konzentration von 1% in nicht verschreibungspflichtigen Hautpflegeprodukten zugesetzt werden. Das ist allerdings schon eine sehr hohe Konzentration, an die Du Deine Haut wirklich ganz langsam gewöhnen solltest, denn auch für eine unempfindliche Haut ist diese Konzentration eine Herausforderung. 
Es gibt empfohlene Höchstgrenzen zur Aufnahme von Vitamin A, diese sind jedoch nicht durch frei verkäufliche Kosmetikprodukte zu erwarten, solange Du sie nicht überdosierst und lediglich im Gesicht und auf Hals sowie Dekolleté anwendest. Achte darauf, wie Deine Haut auf die Behandlung reagiert, und führe sie langsam, am besten mit einigen Tagen Pausen dazwischen, an höhere Konzentrationen heran. 
Vorsorglich sollten Schwangere und Frauen in der Stillzeit auf Hautpflegeprodukte mit Retinol verzichten. Es kann nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass der Wirkstoff bei zu hohen Aufnahmemengen zu Schädigungen des Kindes führen könnte und das gilt es, unbedingt zu vermeiden.


Querschnitt der Haut

Die Sonne und Retinol

Ob Winter oder Sommer – generell empfehlen wir Dir, nie ohne Sonnenschutz das Haus zu verlassen, denn die UV-Strahlung der Sonne schadet Deiner Haut zu jeder Jahreszeit und führt zu einer schnelleren Hautalterung. Sonnenschutz ist und bleibt eine der besten Methoden für Slow-Aging. Wenn Du Produkte mit Retinol verwendest, solltest Du allerdings noch mehr als sonst auf einen ausreichenden Sonnenschutz achten und hochkonzentrierte Retinol-Produkte nicht im Sommerurlaub verwenden, wenn Du Deine Haut ohnehin intensiver der Sonne aussetzt als sonst. Retinol erneuert die Hornzellen Deiner Epidermis und macht Dich so lichtempfindlicher und anfälliger für Sonnenschäden wie Sonnenbrand und Pigmentflecke. Deren Entstehung möchten wir ja gerne vermeiden.



Und was ist jetzt mit dem Wunder?

Fassen wir also noch einmal zusammen: Bei regelmäßiger Anwendung verlangsamt Retinol durch die Anregung der Kollagenbildung, den Schutz vor freien Radikalen und die Erneuerung der Hautzellen den Alterungsprozess Deiner Haut. Es reduziert Fältchen und Pigmentflecken, verfeinert den Teint, glättet die Haut und verleiht ihr mehr Spannkraft. Ob das schon für ein kleines Wunder reicht? 
Das würden wir Deine Haut gerne selbst entscheiden lassen.



Quellen

¹ https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9843009/
² https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17515510/
³ https://issuu.com/bradleyhubbardmd/docs/reversal_of_skin_aging_with_topical